Vom Rindsleder zum Maschinenriemen
Ein Treibriemen musste die Kraft einer laufenden Welle möglichst zuverlässig auf eine andere Riemenscheibe übertragen. Für seine Herstellung waren deshalb nicht nur die Abmessungen entscheidend, sondern auch die Beschaffenheit des Leders, seine Dehnung und die Ausführung der Verbindungen.
Die folgenden Schritte sind eine quellengestützte Übersicht zeitgenössisch beschriebener Verfahren, keine nachgewiesene Arbeitsanweisung der Firma Gebrüder Krafft.
Die Fertigung im Überblick
Vom zugeschnittenen Leder bis zum eingesetzten Maschinenriemen waren mehrere Arbeitsschritte notwendig. Die konkrete Ausführung hing von Material, Riemenabmessungen und den verfügbaren Maschinen ab.
Auswahl des Leders
Der feste Kernbereich der Rinderhaut war für viele Riemenqualitäten besonders wichtig.
Mehr über den CrouponZusammenfügen
Schräg ausgedünnte Enden ermöglichten Verbindungen ohne starken Absatz.
Zeitgenössischer Fabrikbericht (1913)Eigene schematische Zeichnungen. Historische Originalfotos werden nach Klärung der Bildrechte ergänzt.
1. Auswahl des Treibriemenleders
Für belastete Treibriemen kamen geeignete, möglichst gleichmässige Partien der Rinderhaut in Betracht. Besonders der feste Rückenbereich, der sogenannte Croupon, spielte in zeitgenössischen Beschreibungen eine wichtige Rolle. Die Auswahl beeinflusste Festigkeit, Gleichmässigkeit und Verhalten bei dauernder Beanspruchung.
2. Zuschneiden
Aus den vorbereiteten Lederstücken wurden Riemenstreifen in der gewünschten Breite geschnitten. Der Bericht über die Treibriemenfabrik Gebrüder Klinge von 1913 beschreibt hierfür den Einsatz von Maschinen. Entscheidend war ein möglichst gleichmässiger Verlauf der Streifen.
3. Strecken und Zurichten
Historische Fachtexte behandeln das Strecken als eigenen Arbeitsschritt. Es sollte unerwünschte spätere Längenänderungen beim Betrieb verringern. Wie stark und mit welchen Einrichtungen gestreckt wurde, hing vom Leder und vom Verfahren ab. Die zeitgenössische Literatur unterscheidet unter anderem das Nassstrecken.
4. Zusammenpassen und Abschärfen
Da einzelne Lederstücke nicht beliebig lang waren, mussten für längere Treibriemen mehrere Stücke passend zusammengesetzt werden. Die Enden konnten schräg ausgedünnt, also abgeschärft, werden. So entstand an der Verbindungsstelle kein unnötig dicker Absatz.
5. Leimen, Nähen oder Nieten
Die Fachliteratur beschreibt verschiedene Arten der Verbindung. Verleimte und zusätzlich genähte Verbindungen sind für die Zeit belegt; auch Nietverbindungen wurden behandelt. Es wäre jedoch falsch, daraus abzuleiten, dass jeder Betrieb alle Methoden in gleicher Weise verwendete.
Bei der Herstellung eines endlosen Riemens ist zudem zwischen der werkseitigen Verbindung der Lederstücke und dem späteren Schliessen oder Verbinden des Riemens an der Maschine zu unterscheiden.
6. Fertigmachen und Einsatz
Nach dem Zusammenfügen mussten die Riemen für ihre spätere Verwendung vorbereitet werden. Die historische Fachliteratur behandelt ausserdem das Auflegen auf Riemenscheiben, Verbindungen im Betrieb sowie die Berechnung von Breite und Stärke. Diese Themen zeigen, dass Herstellung und praktische Anwendung eng zusammengehörten.
Was wissen wir über Gebrüder Krafft?
Maschinenriemen gehörten nach den bislang bekannten Firmenunterlagen zum Produktspektrum von Gebrüder Krafft in Fahrnau. Historische Fotografien sind ein Ansatzpunkt, um diesen Produktionszweig genauer zu untersuchen. Welche der oben beschriebenen Arbeitsschritte und Maschinen bei Krafft konkret eingesetzt wurden, ist damit noch nicht abschliessend belegt.
Quellen und Vergleichsbetriebe
- Otto Lueger, Lexikon der gesamten Technik (1904), Artikel „Lederriemen“ – zeitgenössische technische Einordnung.
- Dinglers Polytechnisches Journal (1913), Bericht über die Fabrik Gebrüder Klinge – Vergleich aus einem anderen Unternehmen.
- W. Funcke, Firmengeschichte – historischer und heutiger Vergleichsbetrieb; Aussagen über Krafft lassen sich daraus nicht unmittelbar ableiten.
Forschungsstand: November 2026. Bildmaterial anderer Unternehmen wird ohne Freigabe nicht übernommen.