Unabhängiges historisches ForschungsprojektIndustriegeschichte · ca. 1850–1930
Historische Antriebstechnik

Materialvergleich

Leder, Textil und Gummi im Vergleich

Ledertreibriemen um 1900 · Historische Quellen und technische Zusammenhänge

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Werkstoffe der Kraftübertragung

Warum nicht jeder Treibriemen aus Leder bestand

Um 1900 übertrugen Flachriemen die Drehbewegung von Transmissionswellen auf Arbeitsmaschinen. Leder war ein wichtiger Werkstoff, doch auch textile und mit Gummi verbundene Riemen kamen zum Einsatz. Die Wahl hing von Belastung, Feuchtigkeit, Riemenscheiben, Geschwindigkeit und den Kosten ab.

Unser Schwerpunkt bleibt das Ledertreibriemenhandwerk. Die anderen Werkstoffe dienen als technischer und historischer Vergleich.

Eigene technische Zeichnung dreier beispielhafter Flachriemen: Leder, gewebtes Textil und gummiertes Gewebe
Drei mögliche Bauarten historischer Flachriemen. Eigene schematische Zeichnung; Schichtdicken und Webstruktur sind nicht massstäblich.
01 · Der Schwerpunkt

Ledertreibriemen

Für hochwertige Lederriemen wurde möglichst gleichmässiges, festes Rindleder ausgewählt, insbesondere aus dem Kernbereich der Haut. Die einzelnen Riemenstücke mussten zugeschnitten und für die gewünschte Länge verbunden werden. Historische Fachtexte behandeln dafür unter anderem das Strecken, Abschärfen, Leimen und Nähen.

Zu den geschätzten Eigenschaften gehörten die Biegsamkeit und das Verhalten auf Riemenscheiben. Gleichzeitig reagiert Leder auf Feuchtigkeit, Pflege und wechselnde Belastungen. Die Qualität der Verbindungsstellen war für einen zuverlässigen Betrieb entscheidend.

Mehr über das Leder · Mehr über die Riemenherstellung

02 · Die Alternative

Gewebte Treibriemen

Textile Treibriemen wurden beispielsweise aus Baumwolle oder anderen Fasern gefertigt. Je nach Konstruktion konnten sie als gewebte Bänder oder mehrlagige Ausführungen eingesetzt werden. Ihr Aufbau unterschied sich damit deutlich vom aus Hautstücken zugeschnittenen Lederriemen.

Ein Vorteil bestimmter Gewebebauarten lag darin, dass sich lange Riemen ohne die für Leder typischen Stückverbindungen herstellen liessen. Ob ein solcher Riemen im Betrieb besser geeignet war, hing jedoch von seiner Ausführung und den konkreten Bedingungen ab.

03 · Verbundwerkstoffe

Gummierte Geweberiemen

Bei gummierten Riemen wurden textile Tragschichten mit Gummi kombiniert. Der Werkstoffverbund sollte bestimmte Eigenschaften wie Reibverhalten, Flexibilität oder Widerstandsfähigkeit beeinflussen. Entscheidend waren dabei die Gummimischung, die Anzahl der Gewebelagen und die Fertigungsweise.

Es wäre irreführend, sämtliche „Gummiriemen“ pauschal als überlegen oder als spätere Erfindung zu bezeichnen. Unterschiedliche Riemenarten bestanden zeitlich nebeneinander und wurden für verschiedene Aufgaben ausgewählt.

Schematische Darstellung der Kriterien zur Auswahl eines Treibriemens: Belastung, Feuchtigkeit, Scheibendurchmesser, Wartung und Kosten
Welche Riemenart geeignet war, entschied nicht allein das Material. Eigene schematische Übersicht.
04 · Gegenüberstellung

Was beim Vergleich zählt

KriteriumLederTextilGummiertes Gewebe
GrundaufbauZugeschnittene Lederstreifen, bei Bedarf verbundenGewebte Fasern, je nach Bauart ein- oder mehrlagigGewebeträger mit Gummianteilen
HerstellungGerben, Zurichten, Schneiden, VerbindenSpinnen, Weben und KonfektionierenGewebeherstellung und Verbindung mit Gummi
Besonders zu prüfenDehnung, Feuchtigkeit, Pflege, VerbindungsstellenGewebekonstruktion, Kanten, DehnungSchichtverbund, Alterung, Temperatur
Historische EinordnungZentraler Gegenstand dieser ForschungZeitgenössische AlternativeWeitere zeitgenössische Materialgruppe

Keine allgemeine Leistungsrangfolge: Für konkrete Aussagen zu Wirkungsgrad, Haltbarkeit oder übertragbarer Leistung wären zeitgenössische Prüfwerte und vergleichbare Betriebsbedingungen nötig.

05 · Gebrüder Krafft

Was wissen wir über die Materialien bei Krafft?

Für Gebrüder Krafft ist die Herstellung von Maschinenriemen belegt. Welche Lederqualitäten und ob daneben textile oder gummierte Riemen hergestellt wurden, ist mit den bisher ausgewerteten Unterlagen nicht geklärt. Der Materialvergleich darf daher nicht als Krafft-Produktkatalog gelesen werden.

Die historischen Fotografien der Riemenfertigung und weitere Firmenunterlagen könnten hier künftig Aufschluss geben. Zum Forschungsstand bei Krafft.

Quellen und Prüfung

Historische Grundlage

Für die Lederverarbeitung und die technische Einordnung ziehen wir zeitgenössische Fachliteratur heran, darunter das Lexikon der gesamten Technik (1904), Stichwort „Lederriemen“ sowie das Polytechnische Journal. Die detaillierte, quellengebundene Gegenüberstellung von Textil- und Gummiriemen wird noch erweitert.

Zum Quellenverzeichnis