Warum nicht jeder Treibriemen aus Leder bestand
Um 1900 übertrugen Flachriemen die Drehbewegung von Transmissionswellen auf Arbeitsmaschinen. Leder war ein wichtiger Werkstoff, doch auch textile und mit Gummi verbundene Riemen kamen zum Einsatz. Die Wahl hing von Belastung, Feuchtigkeit, Riemenscheiben, Geschwindigkeit und den Kosten ab.
Unser Schwerpunkt bleibt das Ledertreibriemenhandwerk. Die anderen Werkstoffe dienen als technischer und historischer Vergleich.
Ledertreibriemen
Für hochwertige Lederriemen wurde möglichst gleichmässiges, festes Rindleder ausgewählt, insbesondere aus dem Kernbereich der Haut. Die einzelnen Riemenstücke mussten zugeschnitten und für die gewünschte Länge verbunden werden. Historische Fachtexte behandeln dafür unter anderem das Strecken, Abschärfen, Leimen und Nähen.
Zu den geschätzten Eigenschaften gehörten die Biegsamkeit und das Verhalten auf Riemenscheiben. Gleichzeitig reagiert Leder auf Feuchtigkeit, Pflege und wechselnde Belastungen. Die Qualität der Verbindungsstellen war für einen zuverlässigen Betrieb entscheidend.
Gewebte Treibriemen
Textile Treibriemen wurden beispielsweise aus Baumwolle oder anderen Fasern gefertigt. Je nach Konstruktion konnten sie als gewebte Bänder oder mehrlagige Ausführungen eingesetzt werden. Ihr Aufbau unterschied sich damit deutlich vom aus Hautstücken zugeschnittenen Lederriemen.
Ein Vorteil bestimmter Gewebebauarten lag darin, dass sich lange Riemen ohne die für Leder typischen Stückverbindungen herstellen liessen. Ob ein solcher Riemen im Betrieb besser geeignet war, hing jedoch von seiner Ausführung und den konkreten Bedingungen ab.
Gummierte Geweberiemen
Bei gummierten Riemen wurden textile Tragschichten mit Gummi kombiniert. Der Werkstoffverbund sollte bestimmte Eigenschaften wie Reibverhalten, Flexibilität oder Widerstandsfähigkeit beeinflussen. Entscheidend waren dabei die Gummimischung, die Anzahl der Gewebelagen und die Fertigungsweise.
Es wäre irreführend, sämtliche „Gummiriemen“ pauschal als überlegen oder als spätere Erfindung zu bezeichnen. Unterschiedliche Riemenarten bestanden zeitlich nebeneinander und wurden für verschiedene Aufgaben ausgewählt.
Was beim Vergleich zählt
| Kriterium | Leder | Textil | Gummiertes Gewebe |
|---|---|---|---|
| Grundaufbau | Zugeschnittene Lederstreifen, bei Bedarf verbunden | Gewebte Fasern, je nach Bauart ein- oder mehrlagig | Gewebeträger mit Gummianteilen |
| Herstellung | Gerben, Zurichten, Schneiden, Verbinden | Spinnen, Weben und Konfektionieren | Gewebeherstellung und Verbindung mit Gummi |
| Besonders zu prüfen | Dehnung, Feuchtigkeit, Pflege, Verbindungsstellen | Gewebekonstruktion, Kanten, Dehnung | Schichtverbund, Alterung, Temperatur |
| Historische Einordnung | Zentraler Gegenstand dieser Forschung | Zeitgenössische Alternative | Weitere zeitgenössische Materialgruppe |
Keine allgemeine Leistungsrangfolge: Für konkrete Aussagen zu Wirkungsgrad, Haltbarkeit oder übertragbarer Leistung wären zeitgenössische Prüfwerte und vergleichbare Betriebsbedingungen nötig.
Was wissen wir über die Materialien bei Krafft?
Für Gebrüder Krafft ist die Herstellung von Maschinenriemen belegt. Welche Lederqualitäten und ob daneben textile oder gummierte Riemen hergestellt wurden, ist mit den bisher ausgewerteten Unterlagen nicht geklärt. Der Materialvergleich darf daher nicht als Krafft-Produktkatalog gelesen werden.
Die historischen Fotografien der Riemenfertigung und weitere Firmenunterlagen könnten hier künftig Aufschluss geben. Zum Forschungsstand bei Krafft.
Historische Grundlage
Für die Lederverarbeitung und die technische Einordnung ziehen wir zeitgenössische Fachliteratur heran, darunter das Lexikon der gesamten Technik (1904), Stichwort „Lederriemen“ sowie das Polytechnische Journal. Die detaillierte, quellengebundene Gegenüberstellung von Textil- und Gummiriemen wird noch erweitert.